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Freitag, 22. Mai 2009

Zwei Mal Rankin

Natürlich mag ich anspruchsvolle Literatur. Selbstverständlich sollen es Bücher einem nicht immer leicht machen, sie sollen einen herausfordern, bestenfalls reibt man sich an ihnen. Anstrengend dürfen sie bisweilen auch sein, über die anstrengenden lässt sich sogar mehr sagen, man muss sich ein bisschen über sie aufregen. Manchmal zählt man sie deshalb zu den schlechteren Büchern, aber gerade von diesen bleibt mehr hängen.

Ich mag anspruchsvolle Literatur, aber ich lese nicht immer welche. Ich mag ja auch tolles Essen und gehe trotzdem hin und wieder zu McDonald's. Aber Ian Rankin hier mit einem Burgerbrater zu vergleichen, ist unpassend. Er schreibt sehr gute Krimis auf gehobenem, gut bürgerlichem Niveau. Also eher Geschnetzeltes mit Spätzle. Weiß man, was man kriegt, schmeckt gut, weiter geht's.

Das Souvenir des Mörders erfüllt demnach alle Erwartungen: Inspector Rebus muffelt sich wie gewohnt durchs verregnete Schottland, pendelt zwischen Edinburgh, Glasgow und Aberdeen genauso wie zwischen drei Mordfällen. Legt sich - wie vertraut! - mit allen zur Verfügung stehenden Vorgesetzten an, und ist am Ende doch wieder der einzige, der alles durchschaut und die Fälle lösen kann. Dazwischen trinkt er eine halbe Distille leer oder hängt, wie er es selbst nennt an der "Whisky-Infusion". Er isst nichts oder schlechtes Zeug, wäscht sich selten oder kaum ausreichend. Dass Frauen trotzdem noch seine Nähe suchen, ist einer der wenigen unglaubwürdigen Aspekte dieses Buches. Einer der säuft, kaum schläft, sich nur ab und zu wäscht und auch noch stark auf die 50 zu geht, taugt nicht zum Womanzier, auch wenn er die Hauptfigur einer sehr erfolgreichen Krimireihe ist.

Michael Weston, der Auftragskiller aus Bis aufs Blut ist das absolute Gegenteil - vielleicht hatte Ian Rankin auch mal Lust auf einen Protagonisten, der täglich die Unterhosen wechselt. Weston ist Mitte 30, sieht gut aus, verdient abartig viel Geld - aber eben mit Auftragsmorden. Er ist ein Scharfschütze, das heißt, er erledigt seine Opfer aus sicherer Entfernung. Nur - beim letzten Mal hat ihn wohl jemand verpfiffen, die Polizei kommt ihm gefährlich nahe, ebenso ein dicker versoffener und verkokster Privatdetektiv aus New York. Anstatt sich abzusetzen beißt sich Weston an der irrsinnigen Idee fest herausfinden zu müssen, wer ihn verpfiffen hat und begibt sich auf eine wahnwitzige Schnitzeljagd von London über Schottland bis nach Seattle. Bei der sich der Leser, im Gegensatz zur Hauptfigur selbst, relativ frühzeitig fragt, ob der smarte Killer sich nicht gerade den Holzweg frei schießt.
Was spannend und ungewöhnlich beginnt, wird zu einer völlig überdrehten Hatz ohne Rücksicht auf Verluste, mit viel Kollateralschaden und allen Details zu Waffen, die Ian Rankin recherchieren konnte. Das war dann wirklich zu martialisch. Dass ich trotzdem bis zum Ende dabei blieb, lag nur daran, dass ich ein bisschen verschossen war in Michael Weston. Aber nur ein bisschen.

Ian Rankin. Das Souvenir des Mörders. Goldmann, 2005. (Engl. Black & Blue)

Ian Rankin. Bis aufs Blut. Goldmann, 2009. (Engl. Bleeding Hearts)

Freitag, 13. März 2009

Friedrich Ani: Idylle der Hyänen

Hab ich schon erwähnt, dass ich eigentlich keine Krimis mehr mag? Es gab Zeiten, da hab ich Krimis regelrecht in mich reingeschoben, all die Lynleys, Wallanders, Montalbanos und wie sie alle heißen. Bis sie mich im Allgemeinen langweilten (immer das gleiche) und im Besonderen ärgerten (weil aus den sehr schönen Lynley-Geschichten etwa ab Band 10 sehr seltsame, nicht lesenswerte Bücher wurden).

Ausnahmen mache ich heute nur noch sehr selten. Etwa für Simon Beckett - obwohl ich nicht weiß, warum. Seine Figuren und Plots unterscheiden sich kaum von denen seiner Kollegen und seine Bücher enden immer in einem derart überdrehten Show-down, dass es einem auf den letzten Seiten das Buch eigentlich vermiest.

Eine andere Ausnahme mache ich für Friedrich Ani. Aber da weiß ich auch nicht immer, warum. Die Erfindung des Abschieds fand ich großartig. Killing Giesing schlecht. Idylle der Hyänen liegt irgendwo dazwischen.

Für das Buch spricht:

- Der Ermittler. Polonius Fischer war mal Mönch, ist jetzt Kriminalkommissar in München und ermittelt natürlich ganz anders, als man ermitteln sollte und dürfte - aber das haben fiktive Kommissare ja so an sich. Aber er ist ein feiner Kerl. Und die Idee mit dem Mönch ist fast so genial wie die mit Tabor Süden, Anis anderem Kommissar.

- Die Stadt. Immer schön, wenn man weiß, wo sich die Figuren gerade befinden. Und Ani beschreibt so genau, dass man fast glaubt, sich selbst an genau dieser Münchner Straßenecke zu befinden. In einem kurzen Fernsehporträt, das ich vor einiger Zeit gesehen habe, hat er sogar erzählt, dass er sich alle Schauplätze seiner Romane vorher anschaut, um alles so wirklichkeitsgetreu wie möglich zu beschreiben. Find ich gut.

- Die Sprache. Ani kann mit drei, vier Sätzen und wenigen klaren, einfachen Worten alles beschreiben. Einen Menschen, einen Raum, ein Gefühl. Jeden dritten Satz könnte man für ein Seminar "Einführung in die Reportage" hernehmen und sagen: so geht's.

Nicht unbedingt für das Buch spricht:

- Die Handlung. Eine Frau stirbt, dann noch eine, ein Kind verschwindet. Eine der Toten ist eine ehemalige Nonne, was Polonius Fischer irgendwie ungut an seine eigene Geschichte erinnert. Der Plot war mir zu chaotisch. Zu offensichtlich gibt es die zweite Tote nur, um den Leser zu verwirren. Dramaturgisch nötig ist sie nicht. Der Fall ist so spannend genug.

- Die Figuren. Bis auf Polonius Fischer bleiben alle scherenschnittartig. Hier ein bisschen Klischee, da ein bisschen Eindimensionalität. Vielleicht wird das in den anderen Büchern besser, Idylle der Hyänen ist ja erst der erste Fischer-Roman.

- Die Sprache. Manchmal versteigt sich Ani in eine Art Bewusstseins-Strom und lässt die Figuren einfach alles regelrecht auskotzen. So derb liest es sich dann auch manchmal. Das ist literarisch vielleicht irgendwie wertvoll. Hat in einem Krimi aber nix zu suchen.

Ich geb ihm demnächst noch eine Chance, dem Fischer.

Friedrich Ani. Idylle der Hyänen. Dtv, 2007.