Mittwoch, 10. Juni 2009

Wolfgang Koydl: Fish and Fritz. Als Deutscher auf der Insel

Seltsamerweise lesen sich manche Sachen auch nach dem hundertsten Aufguss immer noch ganz amüsant. In diese Kategorie gehören neben Krimis auch Erlebnisberichte von Auslandskorrespondenten. 

Ganz besonders hervor stechen hier Großbritannien-Korrespondenten, denn eigentlich hat keiner auch nur etwas neues zu berichten, und das schon seit Jahrzehnten. Nicht nur ist immer noch die Königin die gleiche, nein, auch die Briten selbst haben sich kaum verändert (mal abgesehen davon, dass sie jetzt vielleicht besseres Essen kochen): Sie stehen Mischbatterien noch immer feindlich gegenüber, sie wetten immer noch gerne, sie haben noch immer einen bizarren Humor und so weiter.

Die Erfahrungen der Korrespondenten unterscheiden sich demnach auch nicht einmal in Details voneinander: Wir begleiten den Korrespondenten und seine Familie, wie sie kopfschüttelnd Schuhkarton-große, überteuerte Häuser besichtigen, durch Hotelflure irren, den Klempner von einer Mischbatterie überzeugen wollen und so weiter.

Trotzdem ist es jedes Mal wieder schön – denn während sich anspruchsvolle Literatur so liest, wie sich ein Tag auf Zehn-Zentimeter-Stilettos anfühlt, dann gehört der  Auslandskorrespondenten-Bericht zu den bequemen Hausschuhen, in die man nach einem harten Stiletto-Tag gerne schlüpft. Vor allem, wenn man Großbritannien mag, und die Briten auch ein bisschen kennt.

Wolfgang Koydl macht also nichts anders als die Kollegen, aber er macht es gut. Als loser roter Faden ziehen sich übrigens seine Bemühungen, die Königin persönlich zu treffen, durchs Buch. Was daran wahr und was erfunden ist, wage ich mir nicht vorzustellen - aber es hat großen Spaß gemacht.

Wolfgang Koydl. Fish and Fritz. Als Deutscher auf der Insel. Ullstein, 2009.

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