Freitag, 13. März 2009

Friedrich Ani: Idylle der Hyänen

Hab ich schon erwähnt, dass ich eigentlich keine Krimis mehr mag? Es gab Zeiten, da hab ich Krimis regelrecht in mich reingeschoben, all die Lynleys, Wallanders, Montalbanos und wie sie alle heißen. Bis sie mich im Allgemeinen langweilten (immer das gleiche) und im Besonderen ärgerten (weil aus den sehr schönen Lynley-Geschichten etwa ab Band 10 sehr seltsame, nicht lesenswerte Bücher wurden).

Ausnahmen mache ich heute nur noch sehr selten. Etwa für Simon Beckett - obwohl ich nicht weiß, warum. Seine Figuren und Plots unterscheiden sich kaum von denen seiner Kollegen und seine Bücher enden immer in einem derart überdrehten Show-down, dass es einem auf den letzten Seiten das Buch eigentlich vermiest.

Eine andere Ausnahme mache ich für Friedrich Ani. Aber da weiß ich auch nicht immer, warum. Die Erfindung des Abschieds fand ich großartig. Killing Giesing schlecht. Idylle der Hyänen liegt irgendwo dazwischen.

Für das Buch spricht:

- Der Ermittler. Polonius Fischer war mal Mönch, ist jetzt Kriminalkommissar in München und ermittelt natürlich ganz anders, als man ermitteln sollte und dürfte - aber das haben fiktive Kommissare ja so an sich. Aber er ist ein feiner Kerl. Und die Idee mit dem Mönch ist fast so genial wie die mit Tabor Süden, Anis anderem Kommissar.

- Die Stadt. Immer schön, wenn man weiß, wo sich die Figuren gerade befinden. Und Ani beschreibt so genau, dass man fast glaubt, sich selbst an genau dieser Münchner Straßenecke zu befinden. In einem kurzen Fernsehporträt, das ich vor einiger Zeit gesehen habe, hat er sogar erzählt, dass er sich alle Schauplätze seiner Romane vorher anschaut, um alles so wirklichkeitsgetreu wie möglich zu beschreiben. Find ich gut.

- Die Sprache. Ani kann mit drei, vier Sätzen und wenigen klaren, einfachen Worten alles beschreiben. Einen Menschen, einen Raum, ein Gefühl. Jeden dritten Satz könnte man für ein Seminar "Einführung in die Reportage" hernehmen und sagen: so geht's.

Nicht unbedingt für das Buch spricht:

- Die Handlung. Eine Frau stirbt, dann noch eine, ein Kind verschwindet. Eine der Toten ist eine ehemalige Nonne, was Polonius Fischer irgendwie ungut an seine eigene Geschichte erinnert. Der Plot war mir zu chaotisch. Zu offensichtlich gibt es die zweite Tote nur, um den Leser zu verwirren. Dramaturgisch nötig ist sie nicht. Der Fall ist so spannend genug.

- Die Figuren. Bis auf Polonius Fischer bleiben alle scherenschnittartig. Hier ein bisschen Klischee, da ein bisschen Eindimensionalität. Vielleicht wird das in den anderen Büchern besser, Idylle der Hyänen ist ja erst der erste Fischer-Roman.

- Die Sprache. Manchmal versteigt sich Ani in eine Art Bewusstseins-Strom und lässt die Figuren einfach alles regelrecht auskotzen. So derb liest es sich dann auch manchmal. Das ist literarisch vielleicht irgendwie wertvoll. Hat in einem Krimi aber nix zu suchen.

Ich geb ihm demnächst noch eine Chance, dem Fischer.

Friedrich Ani. Idylle der Hyänen. Dtv, 2007.

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