Dienstag, 14. April 2009

Andrea Levy: Eine englische Art von Glück

Was diese "englische Art von Glück" ist, davon haben die vier Protagonisten dieses Buches ganz unterschiedliche Vorstellungen. Eine Chance, dafür einen gemeinsamen Nenner zu finden, haben sie nicht. Denn das Buch spielt in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. In England ist alles ärmlich, kalt und grau, eine Gesellschaft wie ein aufgeschürftes, von Dreck und Blut verkrustetes Knie.

Genau dort suchen Hortense und Gilbert aus Jamaika eben diese englische Art von Glück, der Kriegsheimkehrer Bernard will sie verteidigen, und seine offene, aufgeschlossene Frau Queenie will eine ganz neue erfinden - aber dafür ist sie ihrer Zeit ein paar Jahrzehnte zu weit voraus.

Im Orginal heißt das Buch "Small Island" - kleine Insel - ein Titel, der wie ich finde, viel besser passt. Da erträumen sich Gilbert und Hortense auf der kleinen Insel Jamaika, in der Kolonie, das "Mutterland" als ideale Welt, die ihnen offen steht - und landen doch nur auf einer weiteren kleinen Insel, die im Vergleich noch viel enger und engstirniger scheint als ihre karibische Heimat.
Bernard, der sich auf dieser kleinen Insel so bequem eingerichtet hatte, der aus der großen, weiten Welt endlich dorthin zurück kehrt, möchte keinen Platz machen für die Neuankömmlinge. Das Mutterland weist sie nicht nur ab, es leugnet schlicht ihre Existenz. Die große Verliererin dieses Buches aber ist Queenie, die vormacht, wie es gehen kann, wie man eine tolerante, bunte Gesellschaft gründet - und scheitert.

Ein gutes Buch, weil es so wenig gibt zu diesem postkolonialen Thema. Anstrengend fand ich die vier verschiedenen Stimmen und den in der deutschen Übersetzung arg bemühten jamaikanischen "Slang" - das liest sich im Original wahrscheinlich leichter.

Andrea Levy. Eine englische Art von Glück. Suhrkamp, 2008. (Engl. Small Island)

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