Freitag, 6. Februar 2009

Alan Bennett: The Uncommon Reader

Die Idee ist so zauberhaft wie unrealistisch: Bei dem Versuch, ihre Corgies einzufangen, entdeckt die Queen am Buckingham Palace einen Bücherei-Bus, der am Kücheneingang neben den Mülltonnen (!) parkt.

Aber bevor ich darüber noch den Kopf schütteln konnte, hat er mich schon gekriegt, der Mr. Bennett. Aus Höflichkeit leiht sich die Queen ein Buch aus - weil sie von Literatur überhaupt keine Ahnung hat, nimmt sie einfach einen Roman, dessen Autorin sie kennt ("I made her a Dame!"), findet das Buch zwar todlangweilig, leiht sich aber gleich wieder eines aus.

Von nun an liest die Queen und liest und liest und liest. Das ganze wird noch ein bisschen absurder, als sie sich mit dem rothaarigen, sehr belesenen Küchenjungen Norman anfreundet. Norman beginnt, die Queen bei der Literaturauswahl zu beraten, und weil Norman auch sehr schwul ist, ackert sie sich brav durch die Werke einer ganzen Menge homosexueller Schriftsteller. Von da an kein Halten mehr: Legt die Queen ein Buch aus der Hand, dann nur, um das nächste zu beginnen - immer argwöhnischer beäugt von Prinzgemahl, Personal und Privatsekretär.

Am zauberhaftesten ist dieses kleine Buch, wenn die Queen traurig erkennt, was sie alles verpasst hat: Was für anregende Gespräche hätte sie mit all den Schriftstellern führen können, die sie getroffen hat. Sie kannte Katherine Mansfield, T.S. Eliot, Philip Larkin, Ted Hughes - nie hatte sie gewusst, was sie sagen sollte, nie hatte es sie interessiert, was die Schreiber ihr erzählten. "What a waste", bedauert sie.
Aber ganz geschmeichelte ältere Dame sie ist gerührt, als sie in E.M. Fosters Biografie liest, dass er sich fast in sie verliebt hätte - wäre sie denn ein Junge gewesen. Dabei hatte sie ihn damals so komisch gefunden mit seiner kleinen Stimme und den aneinander gepressten Händen.

Meine Lieblingsstelle ist, als die Queen ins Sinnieren gerät und dann zu Norman sagt: "Do you know the area in which one would truly excel?" (...) "The pub quiz. One has been everywhere, seen everything and though one might have difficulty with pop music and some sport, when it comes to the capital of Zimbabwe, say, or the principal exports of New South Wales, I have all that at my fingertips."

Und die Selbstverständlichkeit mit der die Queen von sich selbst grundsätzlich als "One" spricht, ist so großmütterlich-rührend, das meine zarte, versteckte Monarchisten-Seele sofort aufhorchte.

Gegen Ende wird der Zauber leider etwas matt, die Konstruktion noch konstruierter. Plötzlich will die Queen selbst schreiben, aus Genuss wird Ambition. Das geschieht so abrupt - aber mit 120 Seiten ist das Buch ja auch nicht sehr lang - dass ich ein bisschen verärgert war.



Schade. Aber trotzdem ein sehr feines, kleines Buch.



Alan Bennett. The Uncommon Reader. Profile Books, 2007. (Dt. Die souveräne Leserin)

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